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Geschichte

Die ältesten Spuren einer Besiedlung führen ins 2. vorchristliche Jahrtausend. Im Ortsteil Zillingdorf-Bergwerk wurden Hockergräber aus der Wieselburger Kultur (1800–1500 v. Chr.) gefunden. Ebenfalls in Zillingdorf-Bergwerk fand man Flachgräber mit Skeletten aus der Jüngeren Hallstattzeit (600–450 v. Chr.). Danach war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg, welche Hauptort für das gesamte Nord-Ost-Norikum war.

Später unter den Römern lag das heutige Zillingdorf dann in der Provinz Pannonia. Im Gebiet des heutigen Ortskernes dürfte sich eine kleinere römische Siedlung befunden haben. Funde aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. bezeugen dies. Etwas später (5./6. Jh.) ist ein römischer Gutshof am Nordrand des Ortskernes (Richtung Zillingdorf-Bergwerk hin) nachzuweisen. Einige Funde gibt es auch aus dem Frühmittelalter (Bronzefunde aus awarischer Zeit, 6.–8. Jh.), dann verdunkelt sich die Geschichte. Während des Hochmittelalters dürfte Zillingdorf kaum, bestenfalls sporadisch, besiedelt gewesen sein. Es war Ödland (Gyepűelve) zwischen Österreich, Ungarn und der Steiermark.

Ende des 12. Jahrhunderts erlangten die Babenberger, die in Österreich seit 976 regierten, durch Erbschaft die Steiermark. Dies führte zu einer verstärkten Siedlungstätigkeit im Südosten Niederösterreichs. So wurde Wiener Neustadt in dieser Zeit gegründet. Die Ungarn intensivierten ebenfalls die Siedlungstätigkeit an ihrer Westgrenze. Vermutlich ist damals auch Zillingdorf östlich des Grenzflusses Leitha gegründet worden. Zillingdorf war seit diesem Anfängen stets von Deutsch sprechender Bevölkerung besiedelt, gehörte aber politisch zur Herrschaft der Mattersdorf-Forchtensteiner Grafen und damit zu Ungarn.

Um 1300 dürfte eine erste Kirche im Ort in Stil provinzieller Dorfgotik errichtet worden sein, die heutige Apsis stammt noch von diesem Bau. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 13. Oktober 1342. In einem Vertrag wird der Verkauf eines Lehens in Cyligendorf durch die Brüder Wulfing und Mathes von Paumgarten an Paul von Mattersdorf und seine Schwägerin Margarete besiegelt.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu politischen und finanziellen Krisen bei den Mattersdorf-Forchtensteiner Grafen, die zur Verpfändung Zillingdorfs und anderer Besitzungen um 1400 führten. 1404 gelangte das Pfandrecht an die im Südosten Niederösterreichs reich begüterten Grafen von Puchheim, einem aus Oberösterreich stammenden Geschlecht. Zwischen 1411 und 1415 lösten Albrecht und Georg von Puchheim die Pfandrechte ein und wurden nun die Besitzer Zillingdorfs.

Zillingdorf lag zwar weiterhin in Ungarn, durch die Herrschaft der Puchheimer wurde das Dorf aber immer stärker an das österreichische Rechtssystem angepasst. Im Zuge von Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich III. und den Ungarn ergriffen die Puchheimer bedingungslos die Partei des Kaisers, ihr Engagement wurde aber nicht honoriert. Die Puchheimer erlitten große materielle Verluste, die ihnen vom Kaiser nicht ersetzt wurden. 1453 schloss sich Georg von Puchheim daher der Opposition gegen den Kaiser an, außenpolitisch setzte er auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Ungarn und deren König Ladislaus Postumus, der wie Kaiser Friedrich III. ebenfalls aus dem Haus Habsburg stammte. Dieser Zusammenarbeit verdankte Zillingdorf ein Privileg König Ladislaus', in dem der Ort im Jahr 1455 vom Kammerzins und allen außerordentlichen Abgaben an den König befreit wurde. Dieses Steuerprivileg führte zur Markterhebung Zillingdorfs durch den Grundherrn Georg II. von Puchheim. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde auch das wichtigste alte Rechtsdokument Zillingdorfs, das Banntaiding (eine Art „Dorfverfassung“), von der Grundherrschaft erlassen.

Als 1459 Friedrich III. zum ungarischen Gegenkönig ausgerufen wurde, begannen erneut Auseinandersetzungen mit den Ungarn und ihrem König Matthias Hunyadi (Corvinus). Nach deren Beendigung (durch den Tod Corvinus’ 1490) entzog der Kaiser 1491 Zillingdorf den Puchheimern endgültig wegen Treulosigkeit und übernahm den Ort vorerst in den eigenen Besitz. Mit dem neuen ungarischen König Vladislav II. wurde in Pressburg Friede geschlossen. 1493 schenkte Kaiser Friedrich III. in einer der letzten Urkunden vor seinem Tod Zillingdorf und das benachbarte Lichtenwörth den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, die auch das Domkapitel am Wiener Neustädter Dom stellten. Daraus ergab sich für die folgenden drei Jahrhunderte ein bemerkenswerter kirchenpolitischer Dualismus für den Ort: Die Domherren von Wiener Neustadt wurden nur die weltlichen Herren Zillingdorfs, die Pfarre hingegen verblieb der ungarischen Diözese Raab (Győr).

Damit endet in politischer Hinsicht die ungarische Zeit in Zillingdorf. Der Ort, der durch die Puchheimische Herrschaft allmählich immer stärker an das österreichische Polit- und Rechtssystem herangeführt wurde, kam nun endgültig zu Österreich.

Um 1500 wurde die in den Corvinuskriegen zerstörte Pfarrkirche restauriert, auch ein Pfarrhof erbaut. Durch eine Sedisvakanz im Bistum Wiener Neustadt übte zwischen 1508 und 1522 der St. Georgs-Ritterorden die Dorfherrschaft aus, ehe Zillingdorf wieder an das Bistum zurückkam.

Die Türkenkriege brachten große Not über den Ort, 1529 und wahrscheinlich auch 1532 zogen Einfälle aus dem Osten Zillingdorf stark in Mitleidenschaft. Im Zuge eines ungarischen Adelsaufstands steckte eine protestantische ungarische Rebellenschar 1605 das Dorf in Brand und zerstörte die Pfarrkirche. Der Wiederaufbau von Pfarre und Kirche im Jahr 1614 wurde durch Bischof Melchior Klesl finanziert. Auch die Zweite Türkenbelagerung Wiens 1683 führte zu schweren Schäden: Kirche, Pfarrhof und die Pfarrhof-Seite des Marktes brannten ab, zahlreiche Leute wurden verschleppt. Wenige Jahrzehnte danach überfielen erneut rebellische ungarische Streifscharen in den so genannten Kuruzzenkriegen (1704–1709) Zillingdorf.

1785 wurde der letzte Schritt zur Ablösung Zillingdorfs von Ungarn gemacht. Im Zuge der Kirchenreform Kaiser Josephs II. erfolgte eine neue Diözesaneinteilung: Die Diözese Wiener Neustadt wurde aufgelöst und nach St. Pölten verlegt. Die weltliche Macht in Zillingdorf übernahm die Staatsherrschaft Wiener Neustadt. Die Pfarre Zillingdorf hingegen wurde aus der Diözese Raab (Győr) aus- und in die Erzdiözese Wien eingegliedert. Damit wurden auch die Diözesangrenzen den politischen Grenzen angepasst.

Anfang des 19. Jahrhunderts suchen französische Truppen während der Napoleonischen Kriege zweimal (3. und 5. Koalitionskrieg, 1805 und 1809) Zillingdorf heim. Im Zuge der Revolution von 1848/49 erhielt die Gemeinde Zillingdorf die Selbstverwaltung, als Folge des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs und der Dezembergesetze 1867 entwickelte sich ein reges Vereinsleben im Ort, vor allem die Freiwillige Feuerwehr (1874) und ein Musikverein (1877) entstanden, nachdem sich schon in der ersten Jahrhunderthälfte ein Kirchenchor etablierte. Zwischen 1873 und 1912 betrieb der Wiener Verein der Kinderfreunde ein Kinderasyl für Waisenkinder' in Zillingdorf.

Vermutlich schon seit dem 17. Jahrhundert wurde Lignit in Zillingdorf abgebaut. Eindeutig belegt ist der Bergbau ab dem 19. Jahrhundert. Es gab wechselnde Besitzer, längere zeit war sie im Besitz der Ziegelbarone Alois Miesbach und Heinrich Drasche. Die dabei gewonnene Braunkohle wurde über den Wiener Neustädter Kanal vor allem in die Ziegeleien südlich von Wien sowie nach Sopron (Ödenburg) weitertransportiert. Nachdem Drasche um 1870 die Pachtrechte am Schifffahrtskanal verlor, gab er auch den Kohlebergbau auf. Im Jahr 1912 erwarb die Gemeinde Wien den Kohlebergbau in Zillingdorf-Bergwerk.[2] Die Lignitkohle wurde per Bahn nach Ebenfurth gebracht und im Dampfkraftwerk Ebenfurth verstromt.[2] Der Bergbau, der in den 1920er Jahren einen Höhepunkt erlebte und bis zu 1000 Menschen beschäftigte, musste aus wirtschaftlichen Gründen 1931 geschlossen werden. Heute erinnern noch zwei Badeseen an die beiden Tagebaue.

Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) fielen zahlreiche Zillingdorfer, etliche gerieten in Kriegsgefangenschaft. Durch den Zerfall der Donaumonarchie wurde Zillingdorf vorübergehend zu einem Grenzort bis 1921, als das Burgenland zu Österreich kam. Während des Zweiten Weltkriegs fielen noch mehr Zillingdorfer, heftige Luftangriffe auf Wiener Neustadt ab 1943 führten zu massiven Schäden in Zillingdorf, das gegen Kriegsende auch Frontort und damit zu einem Schauplatz von Kriegshandlungen wurde. Nach dem Weltkrieg geriet Zillingdorf zunächst unter sowjetische Besatzung bis 1955. Der Wiederaufbau und eine demokratische Entwicklung setzten ab 1945 ein.